Parabene in Kosmetikprodukten

"Wir bedanken uns für die jahrzehntelange erfolgreiche Zusammenarbeit!":
So könnte der Abschied der Kosmetikindustrie von ihrem altgedienten Konservierungsmittel lauten, den Parabenen. Seit den 1940er Jahren halten sie Cremetiegel frei von Pilzen und Bakterien.  Neuerdings aber wird gern auf sie verzichtet. "Ohne Parabene lässt sich ein Produkt besser vermarkten", sagr Dr. Katrin Kipper, wissenschaftliche Leiterin bei Vichy, wo man bei vielen Produkten auf andere Konservierungsmittel umgestiegen ist.

Auslöser für die Abkehr von den einst als gut verträglich geltenden Haltbarmachern war eine britische Studie, bei der die Stoffe in Gewebeproben von Brustkrebspatientinnen gefunden wurden. Möglicherweise, so die Folgerung der Forscher, könnten Parabene bestimmte Brusttumoren zum Wachsen bringen - sie wirken im Körper ähnlich wie das weibliche Hormon Östrogen. Seitdem herrscht Unsicherheit: Kann man etwa von einem parabenhaltigen Deo Brustkrebs bekommen? Sind die Stoffe womöglich schuld an der früher einsetzenden Pubertät bei Mädchen oder an dem zu  beobachtenden Rückgang der Spermienzahl bei jungen Männern? Ängste, auf die die meisten Hersteller schnell reagieren. In Dänemark tat das sogar die Regierung: Parabene sind dort in Kleinkinderkosmetik verboten.

Die Warnungen vor Parabenen in Kosmetik hält das unabhängige Bundesinstitut für Risikobewertung allerdings für verfrüht. Ihre Dosis sei zu gering, um menschliche Brusttumorzellen zum Wachsen zu bringen. Außerdem ist nicht bewiesen, ob die Stoffe überhaupt die Hautbarriere durchdringen können. Jene Substanzen, die die britischen Forscher im Brustgewebe fanden, könnten genauso gut mit dem Essen aufgenommen worden sein, weil auch viele Nahrungsmittel Parabene als Haltbarmacher enthalten. "Möglicherweise stehen die Parabene zu Unrecht in der Kritik", meint auch  Vichy Expertin Katrin Kipper. Schließlich gibt es ganz unterschiedliche Arten von Parabenen. Manche wirken stärker hormonell, andere kaum (siehe "Parabene im Überblick").

Trotzdem brauchen die Kosmetikhersteller nun Alternativen,  da es ohne Konservierungsmittel nicht geht: Einmal in den Cremetopf gefasst - und schon würden sich Millionen Bakterien darin tummeln, die der Haut schaden könnten. "Die Schwierigkeit bestehe vor allem darin, das gesamte Spektrum von Bakterien, Hefen und Schimmelpilzen abzudecken und gleichzeitig hautverträglich zu bleiben", sagt Dr. Katrin Kipper. Um das ohne Parabene zu erreichen, müssen meist mehrere Substanzen kombiniert werden. Außerdem benötige man bei einem schwächeren Konservierungsmittel reinere Ausgangsstoffe. Und für deren Reinigung kämen weitere Stoffe zum Einsatz. Also: mehr Chemie und damit ein erhöhtes Allergierisiko. Parabene hingegen führen - entgegen verbreiterer Befürchtungen- äußerst selten zu Allergien.

Ob die Furcht nun berechtigt ist oder nicht: Sinnvoll ist ein bewusster Umgang mit Parabenen auf jeden Fall. Vor allem, wenn es um Kinder geht - deren Hautschutzmantel ist noch nicht voll  ausgebildet. Verbände wie die Krebshilfe in Österreich raten außerdem, parabenhaltige Kosmetik nicht im Bereich des Oberkörpers anzuwenden. Wer sich sicher fühlen möchte, weicht ganz auf parabenfreie Produkte aus. Am besten auf solche, die mit der Kombination von Alkohol und Säuren haltbar gemacht wurden. Diese Stoffe sind meist unbedenklich. "Kosmetik sollte ja vor allem gern  angewendet werden", sagt Katrin Kipper, "ohne Ängste!"

Parabene im Überblick

Nicht alle Paraben-Arten wirken gleich stark hormonell. Welche Stoffe im jeweiligen Produkt enthalten sind, können Sie auf der so genannten INCI-Liste auf der Verpackung sehen.

Kaum problematisch: Die häufigsten Parabane in der Kosmetik, Methyl- und Ethylparabene, können auch unter den E-Nummern 214, 215, 216 und 217 auf der INCI-Liste aufgeführt werden. Sie wirken äußerst schwach hormonell, Methylparabane etwa 10 Millionen Mal geringer als natürliches Östrogen.

Eingeschränkt verwendbar: Propyl- und Butylparabane haben eine stärkere hormonelle Wirkung - allerdings immer noch etwa 10.000 Mal schwächer als Östrogen. Die Höchstmengen für ihre Dosis in Kosmetik sollten gesenkt werden, meint beispielsweise das Bundesinstitut für Risikobewertung.

Lieber nicht: Kaum in ihrer hormonellen Wirkung erforscht sind lsopropyl-, lsobutyl-, Pentyl- und Phenylparabene. Benzylparabane sind in Beauty-Produkten nicht zugelassen.

Produkte ohne Parabene

Gesichtspflege: z. B. "ldealia" von Vichy, 50 ml, ca. 26 Euro (Apotheke}; "Pure & Natural Reichhaltige Tagespflege für trockene und sensible Haut" von Nivea Visage, 50 ml, ca. 6 Euro.

Bodylotions: z. B. "10 % Urea Hydro Repair" von Eubos, 150 ml, ca 13 Euro (Apotheke); "Eau Oceane Körperpflege" von Biotherm, 200 ml, ca. 23 Euro.

Haarpflege: z. B. "Strengthening and Hydrating Hair Oil-in-Cream" von Kiehl's, 180 ml, ca. 30 Euro; "Silicone Free Color & Volume Farbschutz-Kur" von Syoss, 250 ml, ca. 6 Euro.

 

Artikel von CHRISTINA SCHNEIDER, Brigitte, Ausgabe 14/2012

Anm.: Die Produkte der Juka d'Or®-Pflegeserie verzichten gänzlich auf den Einsatz von Parabenen.


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